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Grenzen: Wie wir lernen Nein zu sagen und uns selbst schützen

„Nein ist ein ganzer Satz“ – Als ich das gehört habe, war ich zuerst erschrocken.

Aber je länger ich daran denke, desto mehr bestätigt sich diese Aussage. Wie oft wurde uns von klein auf vermittelt, dass erst wenn wir etwas leisten, wir nur dann unseren Wert in der Gesellschaft finden. Sei es noch der Dritte Anruf in der Woche von einer Freundin oder die zehnte Aufgabe des Chefs und nun sitzen wir da, völlig überfordert und würden am liebsten Aufgeben, doch aufgeben würde für uns in dem Moment bedeuten, schwach zu sein und riskieren, dass etwas kaputt gehen könnte.

Aber niemand denkt daran, einfach ein Nein zu sagen. Nein zu der Freundin, die ständig anruft oder Nein zu dem Chef, der sich daran gewöhnt hat, dass wir alle Aufgaben mit Bravour erledigen. Und was haben wir davon? Die totale Erschöpfung. Unsere Energie so weit für Außenstehende zu verbrauchen, dass für uns selbst am Ende nichts übrig bleibt. 

Aber wenn ich meine Freundin heute abserviere, dann bin ich eine schlechte Freundin und unsere Freundschaft kann daran zu Bruch gehen – Einer der häufigsten Ängste vor dem eigenen Grenzen.

Aber sind wir doch Mal ehrlich. Wie würden wir reagieren, wenn unsere Freundin Mal für uns keine Zeit hat, weil ihr die Energie fehlt? Wir würden doch verständnisvoll damit umgehen und nicht erwarten, dass sie dauernd für uns da ist.

Wieso fällt es uns aber umso schwerer selbst Nein zu sagen? Ich es die Tatsache, dass wir gelernt haben, durch Leistung erst Anerkennung zu erhalten? Uns nicht gut genug zu fühlen, wenn wir Mal Stopp sagen? Diese Gedankengänge sind in vielen von uns fest verankert. Sei es durch die Erziehung oder Menschen, die wir im Laufe des Lebens kennengelernt haben und uns das vermittelt haben. 

Aber so wie wir gelernt haben Fahrrad zu fahren, ist unser Gehirn ebenfalls so ausgeprägt, dass wir negative Denkmuster verlernen und gewünschte, positive Denkmuster erlernen können und das unabhängig jeden Alters.

So wie Zähneputzen in unseren Alltag und zu unserer Pflege des Selbstwertes dazu gehört, so gehört das „Nein“ auch dazu. Es schützt unsere eigenen Ressourcen vor dem Kollabs. Es ist unser Schutzschild für unser selbst, wenn gerade kein Beschützer, wie der Papa, neben uns steht. 

Und wer mein Nein nicht akzeptiert, der möchte sich an meinen Ressourcen vergreifen und respektiert nicht mich als Person. Nein heißt Nein und dafür gibt es keinen Umweg. Wer das akzeptiert, der ist sich seinem Selbstwert bewusst. 

Was du jetzt gelernt hast:

  • Nein ist ein ganzer Satz: Du brauchst keine Rechtfertigung für deine Grenzen.
  • Selbstwert ist nicht gleich Leistung: Dein Wert hängt nicht davon ab, wie viel du für andere tust.
  • Dauerhaftes Ja-Sagen führt zu Erschöpfung: Wenn du immer gibst bleibt nichts für dich übrig.
  • Angst vor Ablehnung ist oft übertrieben: Andere reagieren meist verständnisvoller, als du denkst.
  • Grenzen setzen ist erlernbar: Negative Gedankenmuster kannst du aktiv verändern
  • Nein ist Selbstfürsorge: Es schützt deine Energie und mentale Gesundheit
  • Wer dein Nein nicht akzeptiert, respektiert dich nicht: Das sagt mehr über die andere Person als über dich aus

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